Graefe-Medaille

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Das Foto zeigt die Vorderseite der bronzen Graefe-Medaille. In der Mitte ist Albert von Graefes Porträt im Profil mit Blick nach rechts erhaben geprägt. Es wird umrahmt mit dem in der oberen Hälfte am Rand in Versalien geprägten Namen „ALBRECHTVS • DE • GRAEFE“. Die untere Hälfte, abgesetzt von der oberen durch jeweils einem fünfzackigen Stern, zeigt die folgende Daten in römischer Ziffern „N • D • XXII • M • MAI • A • MDCCCXXVII • M • D • XX • M • IVL • A • MDCCCLXX“. Unterhalb des Halses befindet sich eine Signatur: „F. Hartzer FEC. E. Weigand SC“
Vorderseite einer bronzenen Ausführung der Graefe-Medaille,[1] die 1886 Hermann von Helmholtz verliehen wurde. Das Original in Gold ist verschollen[2]
Die Rückseite der bronzenen Graefe-Medaille zeigt sieben zentrierten geprägte Zeilen jeweils in Versalschrift: „HERMANNO“, „DE • HELMHOLTZ“, „D • D“, „SOCIETES“, „OPTHALMOLOGICA“, „HEIDELBERGAE“, „A • MDCCCLXXXVI“. Der Schriftblock wird durch ein Lorbeerkranz gerahmt. Oben am Rand sind die beiden Worte „PRAEMIVM“ „GRAEFIANVM“ wiederum Versalschrift eingeprägt
Rückseite derselben Medaille[1] mit der Prägung: „ HERMANNO / DE HELMHOLTZ / D. D. / SOCIETAS / OPHTALMOLOGICA / HEIDELBERGAE / A MDCCCCLXXXVI“. Darüber in segmentarischer Umschrift: „PRAEMIVM . GRAEFIANVM“

Die Graefe-Medaille ist eine Ehrung für besondere Verdienste um die Augenheilkunde.

Die Stiftung dieser Wissenschaftsmedaille wurde 1874 von der „Ophthalmologischen Gesellschaft Heidelberg“, der heutigen Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Erinnerung an ihren Gründer Albrecht von Graefe beschlossen. Sie ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Gesellschaft.

Nach ihrem Statut soll sie „alle zehn Jahre demjenigen zuerkannt werden, der sich unter den Zeitgenossen – ohne Unterschied der Nationalität – die größten Verdienste um die Förderung der Ophthalmologie erworben hat.“[3] Die Mitgliederversammlung wählt die Preisträgerin oder den Preisträger jeweils auf Vorschlag einer gesondert gewählten neunköpfigen Kommission. Die Ehrenmünze wird dann in einem Festakt im Rahmen der folgenden Jahressitzung überreicht.[3]

Der Avers zeigt das Idealportrait von Albrecht von Graefe im Profil sowie in Umschrift seinen Namen und seine Lebensdaten. Unterhalb des Halsabschnittes befindet sich die Signaturen „F. Hartzer“ sowie daran angehängt die numismatische Abkürzung „FEC.“ (lateinisch fecit ‚hat (es) gemacht‘), die Ferdinand Hartzer, einem Berliner Bildhauer als „Gestalter“ ausweist. Darauf folgt der Name „E. Weigand“ – es handelt sich hierbei wohl um den Medailleur, den Berliner Emil Weigand. Der Zusatz „SC.“ (lateinisch sculpsit ‚hat (es) gestochen‘) lässt darauf schließen.

Auf dem Revers sind in sieben Zeilen zentriert in einem Lorbeerkranz der Name des Geehrten, der Name der Gesellschaft und das Jahr der Verleihung geprägt. Auf beiden Seiten sind die Angaben in lateinischer Sprache und Schrift bzw. in römischen Zahlen gehalten.

Die Münze hat einen Durchmesser von etwa 70 mm und wird jeweils in bisher nicht veröffentlichten Auflagenhöhe in Bronze, vermutlich auch in Silber[2] und als Einzelexemplar für den Preisträger in Gold[4] angefertigt. Zur Medaille gehört ein Etui.[1][5]

Handschriftliches zur Ausschreibung, erste Entwürfe, sowie ein Gipsabdruck der Graefe-Medaille befinden sich in der Ophthalmologiehistorische Albrecht von Graefe-Sammlung[6] im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité.[7]

Die erste Vergabe der Graefe-Medaille begann mit einer zwölfjährigen Verspätung. Denn erst 1884 war der Stiftungsfonds mit ausreichenden finanziellen Mitteln versehen und die Verhandlungen über die Gestaltung der Medaille konnten mit Hetzer aufgenommen werden. Die Medaille war dann 1886, im Jahr ihrer ersten Verleihung, fertiggestellt.[7] Am 9. August überreichte Franciscus Cornelis Donders die erste Ausgabe der Graefe-Medaille in Gold feierlich an Hermann von Helmholtz.[4]

Danach kam die Stiftung mehrmalig nicht nur hinsichtlich der Einhaltung des Zehn-Jahres-Turnus in Schwierigkeiten: 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, konnte erstmals keine Medaille verliehen werden. Dann entwertete die Inflation von 1923 den Stiftungsfonds fast völlig. Nur eine großzügige Spende des amerikanischen Mitglieds Otto Barkan rettete die Stiftung.[7]

In den Folgejahren kam erschwerend hinzu, der politischen Lage entsprechend, dass Mitglieder wie Gremien zerstritten waren und sich schwerlich auf Kandidaten einigen konnten. So blieben Anton Elschnig für die Beschreibung des Elschnig-Syndroms, Ernst Fuchs für die Fuchs-Endotheldystrophie und Carl Koller, dem Begründer der Lokalanästhesie in der Augenheilkunde, die Graefe-Medaille verwehrt.

Im Nachkriegsjahr 1948 war wiederum an der Organisation einer DOG-Versammlung und Preisverleihung nicht zu denken und so wurde erst 1957 zum hundertjährigen Bestehen der DOG wieder eine Medaille verliehen.[7] 1964 wurde das Statut letztmals geändert.[3]

In der Literatur finden sich die nicht korrekten Bezeichnungen „von Graefe-Medaille“ oder „Albrecht-von-Graefe-Medaille der DOG“. Die Graefe-Medaille ist zudem nicht identisch mit dem von Graefeschen Preis der DOG (mittlerweile: von-Graefe-Preis) oder der Albrecht-von-Graefe-Medaille, die seit 1980 von der Berliner Medizinischen Gesellschaft verliehen wird.

Liste der Preisträger

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Einzelnachweise

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  1. a b c Die Graefe-Medaille von Hermann Helmholtz in der Münz- und Medaillensammlung des Museums Bergen auf der Seite der Norwegischen Museen „UNIMUS“, unimus.no, abgerufen am 3. Januar 2015
  2. a b von Graefe; Ingo Überreichung der ersten von-Graefe-Medaille sowie von Briefen Albrecht von Graefes durch Dr. Ingo von Graefe (Urenkel von Albrecht von Graefe) in: Grußworte zum Festakt zur Sitzung der DOG 2007(dog.org PDF, 650 KB), abgerufen am 3. Januar 2015
  3. a b c Statut betreffend der Zuerkennung und Verleihung der Graefe-Medaill in (Mitgliederversammlung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft 1964. (PDF) In: springer.com. S. 452 ff., abgerufen am 20. August 2019.)
  4. a b Hirschberg, Julius: Geschichte der Augenheilkunde S. 248 f. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Plaketten, Münzen und Medaillen, rzuser.uni-heidelberg.de, abgerufen am 3. Januar 2015
  6. Ophthalmologiehistorische Albrecht von Graefe-Sammlung im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité, bmm-charite.de, abgerufen am 14. Januar 2015
  7. a b c d Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (Hrsg.): Visus und Vision 150 Jahre DOG. Festschrift zum 150-jährigen Bestehen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, München 2009 (dog.org PDF, 29,6 MB), abgerufen am 3. Januar 2015
  8. Hermann von Helmholtz' Antwortrede: gehalten beim Empfang der Graefe-Medaille zu Heidelberg am 9. August 1886. Abgerufen am 20. August 2019.
  9. Hering, Ewald: Die Lehre vom binocularen Sehen, Leipzig 1886 (Volltext, Vollsuche als Digitalisat).
  10. Keynote Lecture Samstag – DOG2016. In: dog2016.dog-kongress.de. Abgerufen am 5. Februar 2016.