Kreide (Geologie)
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| < Jura | K r e i d e | Paläogen > vor 145,5 - 65,5 Millionen Jahren |
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Die Kreide (in der populärwissenschaftlichen Literatur oft auch Kreidezeit) ist in der Erdgeschichte das jüngste und mit 80 Millionen Jahren das am längsten dauernde chronostratigraphische System (bzw. Periode in der Geochronologie) am Ende des Mesozoikums (Erdmittelalter). Sie begann vor rund 145,5 ± 4,0 Millionen Jahren mit dem Ende des Juras und endete vor 65,5 ± 0,3 Millionen Jahren mit dem Beginn des Paläogens, dem ältesten chronostratigraphischen System des Känozoikums.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte und Namensgebung
Der Name Kreide wurde 1822 durch den belgischen Geologen Jean Baptiste Julien d'Omalius d'Halloy nach den stark Calciumcarbonat-haltigen Fossilien von Krebstieren, Korallen, Muscheln, Schnecken und Einzellern, die in den Gesteinen dieses Systems vorkommen benannt. Kreide ist neben Kalkstein und Marmor eine der drei in der Natur vorkommenden Formen von Calciumcarbonat.
[Bearbeiten] Definition und GSSP
Der exakte Beginn des Kreide-Systems und damit ein GSSP ist bisher noch nicht abschließend festgelegt worden. Eine Entscheidung ist wohl erst 2009 zu erwarten. Voraussichtlich wird die Untergrenze der Kreide (und der Unterkreide-Serie sowie der Berriasium-Stufe) durch das Erstauftreten der Ammoniten-Art Berriasella jacobi definiert werden. Das Ende der Kreide ist mit der Iridium-Anomalie der Kreide-Tertiär-Grenze sowie dem Aussterben zahlreicher Wirbeltier- und Wirbellosen-Gruppen sehr gut definiert.
[Bearbeiten] Untergliederung der Kreide
Das Kreide-System wird heute in zwei Serien und 12 Stufen unterteilt:
Übergeordnete, aber inzwischen veraltete Stufenbezeichnungen sind: Neokom (untere Unterkreide), Gault (obere Unterkreide), Emscher (jetzt Coniac und Santon) und Senonium (jetzt Santon, Campan und Maastricht).
[Bearbeiten] Paläogeografie
Der Zerfall von Gondwana, der bereits im Jura begonnen hatte, setzte sich in der Kreide fort. Das noch zusammenhängende Australien/Antarktika, das zu Beginn der Kreide ebenfalls noch zusammenhängende Afrika/Südamerika und Indien trennten sich. In der Unterkreide begann sich zunächst der südliche Südatlantik zu öffnen. Die Öffnung setzte sich dann im Laufe der Unterkreide weiter nach Norden fort. Im Turonium war dann eine durchgehende Verbindung zum Nordatlantik entstanden. Im Nordatlantik setzte sich das im Jura begonnene Spreading zwischen Nordafrika und der nordamerikanischen Ostküste weiter nach Norden fort. Im Laufe der Unterkreide öffnete sich das Teilstück zwischen der Iberischen Halbinsel und Neufundland. In der höheren Unterkreide und der tieferen Oberkreide öffnete sich die Biskaya und deren Verlängerung in die Pyrenäen. In der Oberkreide entstand westlich von Irland ein Tripelpunkt, dessen einer Ast in ein Grabensystem zwischen Nordamerika und Grönland mündete. Der andere Ast weitete sich in der Oberkreide und im Känozoikum zum heutigen nördlichen Nordatlantik. In den Alpen ereigneten sich ersten Kollisionen ("vorgosauische Gebirgsbildung").
[Bearbeiten] Klima
Das Klima in der Kreide war allgemein warm und ausgeglichen. Es gab keine Polkappen und entsprechend war auch der Meeresspiegel recht hoch. Dinosaurier konnten, zumindest in den Sommermonaten bis in hohe südliche und nördliche Breiten leben. Erst zum Ende der Kreide im Maastrichtium kam es zu einer Abkühlung und zu einer markanten Regression.
[Bearbeiten] Entwicklung der Fauna
Aus der Kreidezeit kennt man in Deutschland zahlreiche Fußspuren und Skelettreste von Dinosauriern. In Münchehagen bei Rehburg-Loccum entdeckte man unter anderem die fast 30 Meter lange Fußspur einer elefantenfüßigen „Donnerechse“ (Elephantopoides muenchehagensis). Besonders häufig sind Fußabdrücke (Bückeburg, Münchehagen) und Skelettreste (Nehden bei Brilon im Sauerland) des pflanzenfressenden Dinosauriers Iguanodon, der eine Höhe bis zu 5 Metern erreichte. Fossilien belegen auch die Existenz von Raub-Dinosauriern wie Megalosaurus sowie von Meeresreptilien - wie etwa Mosasaurus - und Krokodilen.
Im Kreidemeer lebten Riesenammoniten. Mit einem Gehäusedurchmesser von etwa 1,80 Meter ist ein Exemplar von Parapuzosia seppenradensis aus der Westfälischen Bucht im Münsterland der bislang größte bekannte Ammonit.
Nach jüngeren Erkenntnissen vor allem durch Funde im nordostchinesischen Jiulongshan-Gebirge (Innere Mongolei, Provinz Ningcheng, Daohugou) und vor allem aus der ebenfalls in der Inneren Mongolei gelegenen Jehol-Gruppe gab es in der Kreidezeit nicht nur, wie bisher angenommen, kleine insektenfressende Säugetiere. Einer großen Vielfalt von vollentwickelten Säugern in der Kreide ging schon im Jura die Aufspaltung in verschiedene Entwicklungslinien voran. Die Säugetiere des Jura und der Kreide besetzten bereits die gleichen ökologischen Nischen, die auch die heutigen Säuger ausfüllen, und entwickelten sehr ähnliche Anpassungsformen. Es gab bereits kleinere Säugerraubtiere, die auf Reptilien spezialisiert waren und mit einem wasserdichten Pelz ausgestattete, schwimmende Säuger, die die ökologische Nische der heutigen Fischotter besetzten.
[Bearbeiten] Entwicklung der Flora
In der Unterkreide waren noch Bärlapppflanzen (Nathorstiana aborea), Farne (Weichselia, Hausmannia), Baumfarne, Ginkgos (Baiera), Bennettitales, und Nadelbäume die vorherrschenden Pflanzen. Aus dieser Zeit stammen auch die Kohleflöze der Wealdenkohle im Weser-Ems-Gebiet am Rande des Teutoburger Waldes. Während der Kreide entwickelten sich die ersten strauchigen Blütenpflanzen. Die erste Gattung der Laubholzgewächse war Credneria mit dreispitzigen Blättern (Funde aus dem Harz). In der Oberkreide waren viele Laubbäume wie Ahorn, Eiche oder Walnuss schon zur Konkurrenz für die Nadelbäume Sequoia und Geinitzia (aus den Aachener Schichten, Oberes Santonium) geworden. Gräser breiteten sich auf dem Festland aus und veränderten stark das Erosionsverhalten.
[Bearbeiten] Die Kreide in Mitteleuropa
Gesteine der Kreidezeit stehen im Raum von Hannover, nördlich des Harzes, im Teutoburger Wald an den Externsteinen, in der Westfälischen Bucht und im Raum von Aachen bis Lüttich an. Berühmt sind die Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund auf Rügen. Weiterhin finden sich Ablagerungen aus der Kreidezeit östlich der fränkischen Alb sowie am Alpen-Nordrand und in der Umgebung von Dresden (Elbsandsteingebirge).
[Bearbeiten] Besondere Ereignisse während der Kreide
Zu den herausragenden Ereignissen der mittleren Kreidezeit zwischen ca. 120 Millionen und 80 Millionen Jahren gehört eine gewaltige Superplume-Aktivität hauptsächlich im Bereich des Dekkan-Plateaus und des westlichen Pazifiks. Dieser 40 Millionen Jahre anhaltende Vulkanismus riesigen Ausmaßes auf dem Ozeanboden hatte globale Konsequenzen.
Am Ende der Kreidezeit kam ist zu einem weltweiten Massenaussterben, das fast alle Tiergruppen und viele Pflanzengruppen erfasste. Zu den Ursachen gibt es verschiedene Vorstellungen; die bekannteste Theorie ist ein Meteoriteneinschlag in Yucatan (Chicxulub-Krater).
(siehe Hauptartikel Kreide-Tertiär-Grenze)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Sauerstoffgehalt-1000mj.svg
- ↑ http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Phanerozoic_Carbon_Dioxide.png
- ↑ http://en.wikipedia.org/wiki/Image:All_palaeotemps.png
[Bearbeiten] Literatur
- Harald Polenz, Christian Spaeth: Saurier - Ammoniten - Riesenfarne. Deutschland in der Kreidezeit. Theiss, Stuttgart 2004., ISBN 978-3-8062-1887-9
- Mike Reich, Peter Frenzel, Ekkehard Herrig: Ein Meer am Ende der Kreidezeit. Die Schreibkreide. In: Biologie in unserer Zeit. 35, Nr. 4, Wiley-VCH, Weinheim 2005, S. 260–267., ISSN 0045-205X

