„Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns“ – Versionsunterschied

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== Jägerstätter – Verehrung ==
== Jägerstätter – Verehrung ==
Der selige [[Franz Jägerstätter]] wurde am 20. Mai 1907 in St. Radegund (Oberösterreich) geboren, in seiner Heimat wirkte der dreifache Vater und Landwirt als Mesner und lebte als bekennender Katholik. Als die Nationalsozialisten 1938 in Österreich die Macht übernahmen, verweigerte er jede Zusammenarbeit. Nach zweimaliger Einberufung folgte er schließlich am 1. März 1943 einer neuerlichen Einberufung und erklärte der Militärbehörde, dass er aufgrund seines religiösen Gewissens und gemäß des Gebotes der Gottes- und Nächstenliebe den Wehrdienst mit der Waffe ablehne, denn „man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Obwohl er sich für den Sanitätsdienst angeboten hatte, wurde er wegen Wehrkraftzersetzung in Berlin zum Tode verurteilt und am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel enthauptet. Am 26. Oktober 2007 wurde Franz Jägerstätter in der Kathedrale zu [[Linz]] selig gesprochen.
Der selige [[Franz Jägerstätter]] wurde am 20. Mai 1907 in St. Radegund (Oberösterreich) geboren, in seiner Heimat wirkte der dreifache Vater und Landwirt als Mesner und lebte als bekennender Katholik. Als die Nationalsozialisten 1938 in Österreich die Macht übernahmen, verweigerte er jede Zusammenarbeit. Nach zweimaliger Einberufung folgte er schließlich am 1. März 1943 einer neuerlichen Einberufung und erklärte der Militärbehörde, dass er aufgrund seines religiösen Gewissens und gemäß dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe den Wehrdienst mit der Waffe ablehne, denn „man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Obwohl er sich für den Sanitätsdienst angeboten hatte, wurde er wegen Wehrkraftzersetzung in Berlin zum Tode verurteilt und am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel enthauptet. Am 26. Oktober 2007 wurde Franz Jägerstätter in der Kathedrale zu [[Linz]] selig gesprochen.
=== Frauenberg und Franz Jägerstätter ===
=== Frauenberg und Franz Jägerstätter ===
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche ist im Besitz einer [[Reliquie]] des seligen [[Franz Jägerstätter]]. Diese wird im [[Tabernakel]] des "franziskanischen" Antonius-Altares, der mit den Statuen der heiligen Franziskus und Klara von Assisi versehen ist, ausgestellt. Jägerstätter gehörte seit 1940 dem 3. Orden des Hl. Franziskus an.
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche ist im Besitz einer [[Reliquie]] des seligen [[Franz Jägerstätter]]. Diese wird im [[Tabernakel]] des "franziskanischen" Antonius-Altares, der mit den Statuen der heiligen Franziskus und Klara von Assisi versehen ist, ausgestellt. Jägerstätter gehörte seit 1940 dem 3. Orden des Hl. Franziskus an.

Version vom 25. April 2019, 10:57 Uhr

Frauenberg an der Enns
Frauenberg an der Enns
Ostfassade der Pfarr- und Wallfahrtskirche

Die römisch-katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns steht auf einer Erhebung, „Kulm“ genannt, im Ennstal im Ort Frauenberg in der Gemeinde Ardning im Bezirk Liezen in der Steiermark. Die Pfarrkirche Mariä Opferung ist dem Stift Admont inkorporiert. Sie liegt in der Diözese Graz-Seckau und steht unter Denkmalschutz (Listeneintragf3).

Gnadenmutter von Frauenberg am Hochaltar

Geschichte

Inneres der Pfarr- und Wallfahrtskirche
Hochaltar

Etwa 6 km westlich von Admont erhebt sich am linken Ufer der Enns ein bewaldeter Einzelberg, der auf seiner höchsten Stelle, 130 m über dem Talboden, die weithin sichtbare Pfarr- und Wallfahrtskirche Frauenberg trägt. Der „Kulm-Berg“ war schon früh im Besitz des 1074 gegründeten Benediktinerstiftes Admont. Die Anfänge der Marien-Wallfahrt liegen weitgehend im Dunkel der Geschichte. Eine alte Überlieferung, erst im 17. Jahrhundert schriftlich festgehalten, schildert die Entstehung: Im Frühjahr 1404 trug die Enns, als sie wieder einmal Hochwasser führte, auf ihren Fluten eine holzgeschnitzte Marienstatue mit sich, die sich im Gestrüpp am Fuß des Kulm verfing. Eine Lichterscheinung in der folgenden Nacht, es war der Samstag vor dem zweiten Sonntag nach Ostern, führte sodann zur Auffindung der Statue. Abt und Konvent von Admont trugen die Statue in die Stiftskirche, doch war sie am nächsten Tag verschwunden und wurde wiederum am Fuß des Kulm gefunden. Dies wiederholte sich ein zweites und ein drittes Mal, sodass man darin einen Fingerzeig Gottes sah. Abt Hartnid von Admont errichtete für die Marienstatue zunächst eine hölzerne Kapelle am Gipfel des Berges Kulm, die sich aber bald als zu klein erwies und daher durch eine größere Kirche aus Stein ersetzt wurde. 1410 wird die Kirche auf dem Kulm zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1420 findet sich erstmals die Bezeichnung Unser Frawnperg. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts folgte eine Umgestaltung des Kirchenbaues und eine Neuweihe durch den Bischof von Lavant, wobei dabei auch das Patrozinium genannt wurde: Mariä Opferung. Als Baumeister des ersten gotischen Baus ist der Baumeister der Admonter Bauhütte Niklas Velbacher erwähnt. Im Zuge der Marienverehrung begann bald der Zustrom der Pilger, der mit zahlreichen Wunderberichten einherging. Bereits im frühen 16. Jahrhundert wird die Pfarre Frauenberg urkundlich belegt. Diese wird seither ununterbrochen von Admonter Benediktinern betreut.

Die Wiederbelebung der Wallfahrtskirche Frauenberg in der Gegenreformation ging mit umfassenden Baumaßnahmen einher. So wurden ein neuer Hochaltar (1648) von Christoph Paumgartner (heute das Gehäuse des Hochaltars) und ein Pfarrhaus errichtet (die Fenster des Baues von 1640 sind im Wallfahrtsladen freigelegt worden); nach 1682 wurde das Langhaus barock erweitert, das Pfarrhaus deutlich vergrößert und ein Turm errichtet. Unter den Äbten Urban Weber und Adalbert Heuffler von Rasen und Hohenbühel erhielt der Wallfahrtsort weitgehend seine heutige Gestalt. Am 2. Juli 1687 erfolgte eine Weihe des umgestalteten Kirchengebäudes. Der schlossartige Pfarrhof erhielt in dieser Zeit seine heute noch bestehende Gestalt: Im Inneren finden sich prachtvoll ausgestattete Räumlichkeiten, die heute zum Teil als Wohnung für den Pfarrer (Superior) dienen.

Abt Antonius von Mainersberg ließ die beiden Osttürme erbauen, 1719 ein neues Geläut anschaffen und 1724 die große Pilgerherberge (das heutige Pflegeheim St. Benedikt) errichten. Stiftsbildhauer Josef Stammel schuf 1740 einen neuen Gnadenaltar. Als größte Blütezeit des Wallfahrtsorts gilt das 18. Jahrhundert; bis zu 60.000 Pilger im Jahr wurden gezählt.

Im Josephinismus wurde die Wallfahrtskirche nicht, wie viele andere, geschlossen, da sie auch als Pfarrkirche diente. 1865 diente das Pfarrhaus vorübergehend als Wohnort eine Teiles des Admonter Konvents, da das Stift bei einer Feuerkatastrophe stark in Mitleidenschaft geraten war. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Wallfahrt aufgehoben. Eine Gruppe des Stabs Rosenberg bezog den Pfarrhof.

Nach Kriegsende wurde die Wallfahrt auf dem Frauenberg wieder ins Leben gerufen. Unter dem Admonter Abt Bonifaz Zölß wurde die Kirche restauriert. 1968 wurde der Pfarrhof zu einem Bildungshaus umgestaltet. Da eine entsprechende Renovierung des Bildungshauses nicht möglich war, wurde das Bildungshaus 1996 geschlossen. Der Pfarrhof wurde daraufhin unter Abt Benedikt Schlömicher nach historischen Aspekten aufwändig zurückgebaut. Im Parterre wurden ein Wallfahrtsladen und das Pfarrsekretariat errichtet.

Vom Jänner 2013 bis Dezember 2014 wurde die Kirche durch das Benediktinerstift Admont, während der Amtszeit von P. Winfried Schwab, im Inneren aufwändig restauriert. Der Gesamtetat betrug 3 Millionen €. Hierbei wurde auch ein Bodensonar eingesetzt das unter anderem ein zwar bekanntes, aber nicht genau verortetes Priestergrab vor der Kanzel zu Tage brachte. Neben Altären, Fresken und Kirchenbänken wurde auch die Barockorgel einer Restaurierung unterzogen. Die Weihe des neuen Zelebrationsaltares und die Wiedereröffnung der Kirche wurde am 7. Dezember 2014 durch den Bischof der Diözese Graz-Seckau, Egon Kapellari gefeiert.

Im September 2015 begann die Amtszeit des gegenwärtigen Superiors und Pfarrers von Frauenberg, P. Maximilian Schiefermüller. Die Pfarre Frauenberg bildet nun mit Ardning und der Pfarre Hall bei Admont einen Pfarrverband. 2016, im "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit", wurde in Frauenberg eine "Heilige Pforte" geöffnet und das bestehende, fünfstimmige Geläute durch drei Glocken erweitert. Holzschlägerungsarbeiten um die Kirche wurden durchgeführt, im "Fürbittgarten" eine neue Marienkapelle errichtet und einige Räumlichkeiten im barocken Pfarrhof wurden saniert. Anlässlich eines Besuches bei Papst Franziskus schenkte der Konvent des Stiftes Admont mit Abt Gerhard Hafner ein modernes Vortragskreuz des Künstlers Wendelin Pressl aus der Pfarrkirche Frauenberg. Von April bis Oktober 2018 wurde die Kirche einer gründlichen Aussenrenovierung unterzogen und dabei die barocke, cremefarbene Fassadengestaltung wieder hergestellt. Abschluss war die Weihe der "Linzerglocke" durch den Abt von Admont.

Architektur und Ausstattung

Deckengewölbe mit Fresken

Kirche und Pfarrhof wirken nach außen wie ein einziger langgestreckter, 100 Meter langer Baukörper. Im Osten schließt die Kirche mit zwei Zwiebeltürmen ab; die auffällige, barocke Wandgliederung ist mit Schlacke inkrustiert.

Nach Art einer Basilika ist der Kirchenraum ein Saal mit vier Seitenkapellen. Den Innenraum der Kirche entwarf um 1683 Carlo Antonio Carlone. Er lehnte seinen Entwurf eng an die Klosterkirchen an, die sein Vater Pietro Francesco Carlone für das Stift Garsten und das Stift Schlierbach gestaltete.

Der überreiche Stuck der Tonnengewölbe stammt von Giovanni Battista Carlone. Antonio Maderni schuf die Fresken, die die freien Felder des Gewölbes ausfüllen; sie stellen Stationen des Marienlebens dar. An den Wänden des Chors und dessen Decke finden sich Fresken von Johann Lederwasch (1794). Die Ausstattung mit Altären, Kanzel und Beichtstühlen ist weitgehend frühbarock. Martin Neuberg, Stiftstischler von 1671 bis 1714, schuf den dreigeschoßigen Hauptaltar. Die Schnitzfiguren sind Werke von Josef Stammel. Im Zentrum des Hochaltares steht die gotische Skulptur der Gottesmutter Maria mit Jesus im Arm. Sie ist das eigentliche Gnadenbild der Wallfahrtskirche. Als Assistenzfiguren fungieren die Skulpturen (Werke von Josef Stammel) der Eltern Mariens, Joachim und Anna. Der Hochaltar ist übersät mit Engelsdarstellungen und Putten, zu einem Großteil aus der Hand des Josef Stammel. Sehenswert ist die barocke Kanzel der an Südseite des Presbyteriums, mit Darstellungen der vier Evangelisten. In den vier Seitenkapellen finden sich folgende Altäre (mit thematisch abgestimmten Fresken in den Gewölben): Kreuzaltar (bis 1786 der Gnadenaltar) mit einem Kreuzigungsbild von Johann Lederwasch, Benediktusaltar, Josefsaltar und Antoniusaltar mit Altarbildern von Frans de Neve.

Die Pilgermadonna stammt aus der Zeit um 1410 und wurde im 19. Jahrhundert neu bemalt. Sie ist die älteste Skulptur der Wallfahrtskirche und befindet sich seit der Innenrenovierung der Kirche wieder an ihrem ursprünglichen Platz, hinter dem Hochaltar. Dies ist eine alte Tradition der Frauenberg-Wallfahrt, denn die Pilger werden eingeladen, den Altar zu umrunden. Die Frauenberger Schutzmantelmadonna, entstanden um 1420/30, befindet sich im Landesmuseum Joanneum (Graz); in der Kerzenkapelle der Wallfahrtskirche ist eine Kopie aufgestellt. Von Michael Zürn d. J. stammen Figuren der hll. Rosalia, Cäcilia, Barbara und Katharina, deren dynamische, kontrastreiche Gestaltung auf das Rokoko vorausweist. Die neobarocke Sessio im Altarraum stammt vom oberösterreichischen Künstler Ludwig Linzinger, wurde 1908 für die Pfarrkirche Bad Zell geschaffen und 2018 in das Eigentum der Pfarrkirche Frauenberg übertragen.

Orgel

Blick nach Westen und zur Orgel

Die Orgel der Wallfahrtskirche entstand um 1687 und weist einen hochbarocken Prospektaufbau mit drei Rundtürmen und sechs Salomonische Säulen auf. Alludierend auf die neun Musen intonieren […] neun musizierende Skulpuren das Gotteslob: Der lebensgroß dargestellte König David mit der Harfe leitet ein Ensemble von acht musizierenden Engeln.[1] Diese halten Instrumente in Händen, nämlich Posaune, Bassgamba, Zinken, Knickhalslaute, Viola, Trompete und Dirigentenstab. Um 1780 veränderte Franz Xaver Krisman die Orgel, 1823 versah sie Simon Anton Hötzel mit einem zweiten Manual, dessen Pfeifenwerk er in einem Zubau hinter der Orgel unterbrachte.[2] 2013–2014 wurde das Instrument von Orgelbau Kögler einer aufwändigen Restaurierung unterzogen, wobei von einer, vielleicht denkmalpflegerisch sinnvollen, Rückführung auf den barocken Zustand Abstand genommen wurde.

Disposition

I. Manual C–c3 (Kurze Oktave)
1. Principal 8′
2. Coppel 8′
3. Octave 4′
4. Flöte 4′
5. Quint 3′
6. Super Octav 2′
7. Oktav 1′
8. Mixtur IV 11/3
II. Manual C–c3
9. Principal 8′
10. Flöte 4′
11. Gamba 8′
12. Oktav 8′
13. Flöte 4′
14. Mixtur II – III 2′
Pedal C–gis0 (12 Töne, repetierend)
15. Subbass 16′
16. Principalbass 8′
17. Violon 8‘ + 4′
18. Bombarde 16′

Glocken

Die Pfarre- und Wallfahrtskirche Frauenberg besitzt ein klangvolles, zehnstimmiges Geläute, der größte Geläutesatz der Steiermark. Die Erweiterung des ursprünglich fünfstimmigen Geläutes wurde notwendig, da im Herbst 2016 die gotische "Maria Schutz-Glocke" nach Jahrzehnten wieder in der Glockenstube des Nordturmes montiert wurde. Die daraus entstandene klangliche Lücke wurde durch das Gießen von zwei weiteren Glocken geschlossen. 2017 wurde eine Glocke für die "Fürbittkapelle" im Garten gegossen, die klanglich zum Geläute der Kirche gehört. 2018 wurde als Schlusspunkt der Kirchenaussenrenovierung die "Linzerglocke" gegossen. Frauenberg besitzt nun zwei klanglich unterschiedliche Geläutesätze: Das ursprüngliche fünfstimmige Hauptgeläute und ein fünfstimmiges Nebengeläute. Das Vollgeläute aller Glocken ist nur an den höchsten Feiertagen zu hören, da es sich um zwei klanglich unterschiedliche Geläutesätze handelt. Hauptgeläute: Glocken 1–5 Nebengeläute: Glocken 5–10

  • 1. Glocke: Jubiläumsglocke, „Joachim u. Anna“, Perner 2004, 1.700 kg, Ton d1
  • 2. Glocke: "Herz Jesu", St. Florian 1950, 964 kg, Ton f1
  • 3. Glocke: Angelusglocke, „Maria Himmelfahrt“, St. Florian 1950, 500 kg, Ton a1
  • 4. Glocke: Sterbeglocke, „Josef“, St. Florian 1950, 300 kg, Ton c2
  • 5. Glocke: Wandlungsglocke, „Bonifatius u. Adalbertus“, St. Florian 1950, 224 kg, Ton d2
  • 6. Glocke: Barmherzigkeitsglocke, "Maximilian von Lorch u. Hedwig von Andechs", Eifeler Glockengießerei (D) 2016, 120 kg, Ton f2
  • 7. Glocke: Jägerstätterglocke, "Franz Jägerstätter u. Erzengel Gabriel", Eifeler Glockengießerei (D) 2016, 90 kg, Ton g2
  • 8. Glocke: Maria Schutz-Glocke, "Schutzmantelmadonna u. Apostel Andreas", Hans Mitter (Judenburg) 1449, 90 kg, Ton b2
  • 9. Glocke: Linzer Glocke, "Florian von Lorch und Severin von Noricum", Perner 2018, 80 kg, Ton c3
  • 10. Glocke: Fürbittglocke, "Benedikt von Nursia", Grassmayr 2017, 25 kg, Ton d3

Glocke 8 läutet täglich um 20 Uhr in Erinnerung an das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit 2016“. Letztere trägt eine Abbildung der heiligen Hedwig von Andechs, in der Darstellung des Gnadenbildes im Hedwigsbründl, das sich im Heimatort des gegenwärtigen Superiors von Frauenberg, P. Maximilian Schiefermüller OSB, in Bad Zell in Oberösterreich befindet. Diese beiden Glocken sind die ersten Werke der Eifeler Glockengießerei in Österreich. Die Linzerglocke wurde von Wallfahrern aus der Diözese Linz gestiftet, aufgrund der jahrhundertelangen Verbundenheit und als Dank an die Gnadenmutter von Frauenberg.

Deckengemälde im Kaiserzimmer: Das Salomonische Urteil gemahnt den Hausherrn zu klugen Entscheidungen

Jägerstätter – Verehrung

Der selige Franz Jägerstätter wurde am 20. Mai 1907 in St. Radegund (Oberösterreich) geboren, in seiner Heimat wirkte der dreifache Vater und Landwirt als Mesner und lebte als bekennender Katholik. Als die Nationalsozialisten 1938 in Österreich die Macht übernahmen, verweigerte er jede Zusammenarbeit. Nach zweimaliger Einberufung folgte er schließlich am 1. März 1943 einer neuerlichen Einberufung und erklärte der Militärbehörde, dass er aufgrund seines religiösen Gewissens und gemäß dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe den Wehrdienst mit der Waffe ablehne, denn „man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Obwohl er sich für den Sanitätsdienst angeboten hatte, wurde er wegen Wehrkraftzersetzung in Berlin zum Tode verurteilt und am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel enthauptet. Am 26. Oktober 2007 wurde Franz Jägerstätter in der Kathedrale zu Linz selig gesprochen.

Frauenberg und Franz Jägerstätter

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche ist im Besitz einer Reliquie des seligen Franz Jägerstätter. Diese wird im Tabernakel des "franziskanischen" Antonius-Altares, der mit den Statuen der heiligen Franziskus und Klara von Assisi versehen ist, ausgestellt. Jägerstätter gehörte seit 1940 dem 3. Orden des Hl. Franziskus an. Im Nordturm der Frauenberger Pfarrkirche läutet täglich um 9.00 Uhr für zehn Minuten die „Jägerstätter-Glocke“ aus dem Jahr 2016. Ihr Klang lädt zum Gebet für die verfolgten Christen weltweit ein.

Wallfahrten

Wallfahrten finden regelmäßig statt. Das Wallfahrtsjahr wird traditionell eröffnet am Gnadensonntag, dem zweiten Sonntag nach Ostern, und am Patroziniumsfest Mariä Opferung (21. November) beendet. Es gibt lokale Traditionsprozessionen der umliegenden Gemeinden Admont, Pfarrkirche Hall bei Admont, Ardning, Gaishorn, Liezen und St. Gallen, aber auch Fuß-Wallfahrten und jährliche Wallfahrten aus Oberösterreich: Lambach, Viechtwang, Spital am Pyhrn, Hinterstoder, Windischgarsten und den Pfarren des Stiftes Schlierbach. Daneben gibt es zahlreiche Wallfahrten aus verschiedenen Pfarren aus Österreich und Bayern, sowie Gruppen, die entweder einen Gottesdienst feiern oder die Kirche nur unter kunsthistorischen Aspekten besuchen. Monatlich wird am jeweils ersten Donnerstag eine "Wallfahrt um geistliche Berufungen" durchgeführt.

Deutlich zeigt sich, dass seit der Gründung der Wallfahrt der Großteil der Pilger nach Frauenberg (85 %) aus Oberösterreich, der Diözese Linz stammt, obwohl Frauenberg in der Diözese Graz-Seckau, in der Steiermark liegt.

Gottesdienste

Neben den Wallfahrtsgottesdiensten werden regelmäßig Heilige Messen in der Pfarr- und Wallfahrtskirche gefeiert. Die Kirche ist zudem eine beliebte Tauf- und Hochzeitskirche.

Kalvarienberg

Kreuzigungsgruppe auf dem Kalvarienberg (Josef Stammel, um 1736)

Bei der Kirche befindet sich ein Kalvarienberg aus der Zeit von 1826 bis 1829. Die Figuren stammen teilweise aus der Werkstatt Josef Stammels und sind um 1736 entstanden. Das Kruzifix, das den gemauerten Rundbau überragt, gehört zu Stammels italienisch geprägtem Frühwerk.

Gärten

Westlich der Kirche und des Pfarrhofes befinden sich beeindruckende Gartenanlagen, die besucht werden können. Neben dem "Fürbittgarten" mit Marienkapelle, der asiatische Meditationsgarten mit vielen Pflanzen aus fernöstlichen Ländern.

Superioren von Frauenberg

Seit der Barockzeit tragen die Pfarrer von Frauenberg den Titel eines Superiors, wie die Seelsorger der Wallfahrtsorte Mariazell, Maria Plain oder Sonntagberg. In der Zeit von etwa 1950 bis zur Gegenwart waren dies:

  • P. Erwin Ehweiner OSB († 1970)
  • P. Hildebert Tausch OSB († 1985)
  • P. Placidus Suppan OSB (bis 2010). In seiner Amtszeit wurde der Pfarrhof aufwendig restauriert und der Meditationsgarten errichtet.
  • P. Winfried Schwab OSB (2010–2015): Innenrenovierung der Wallfahrtskirche und zeitgenössische Neugestaltung des Altarbereiches. 2015 wurde er zum Abt des Stiftes Neuburg bei Heidelberg gewählt.
  • P. Maximilian Schiefermüller OSB (seit 2015). Er ist Prior des Stiftes Admont, Stiftsarchivar und Stiftbibliothekar der weltberühmten Admonter Stiftsbibliothek

Filialkirche Ardning

In der Pfarre Frauenberg an der Enns liegt auch deren Filialkirche Ardning. Obwohl diese Johannes-Kirche im Hauptort der Pfarre, in Ardning, steht, übt seit Jahrhunderten die Kirche in Frauenberg die Pfarrrechte über Ardning aus.

Filialkirche Ardning

Literatur

  • Gottfried Allmer: Die Orgel der Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont (Steiermark). In: Ars Organi. Band 64, 2016, S. 39–46 und Umschlag hinten.
  • Otmar Heinz: Frühbarocke Orgeln in der Steiermark. Zur Genese eines süddeutsch-österreichischen Instrumententyps des 17. Jahrhunderts, Wien-Berlin 2012 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, hg. von der Historischen Landeskommission für Steiermark, Band 53), ISBN 978-3-643-50232-2
  • Johann Tomaschek, Ute Himmelstoss; P. Placidus Suppan OSB (Hrsg.): Pfarr- und Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont, Steiermark. Jost Druck & Medientechnik, Liezen 2002
  • Gernot Rabl: Die Bau- und Ausstattungsgeschichte der Pfarr- und Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont. Diplomarbeit. Universität Graz 1998
  • Karl Hütter: Gebetserhörungen auf dem Frauenberg bei Admont. Aus dem Frauenberger Mirakelbuch der Barockzeit. Pfarramt Frauenberg a. d. Enns, o. J.
  • Stiftsarchiv Admont

Weblinks

Commons: Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Otmar Heinz: Frühbarocke Orgeln in der Steiermark. Zur Genese eines süddeutsch-österreichischen Instrumententyps des 17. Jahrhunderts, Wien-Berlin 2012, S. 83.
  2. Gottfried Allmer: Die Orgel der Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont (Steiermark), 2016, S. 39–46.

Koordinaten: 47° 35′ 3″ N, 14° 23′ 54″ O